Im Haus der Kulturen der Welt in Berlin läuft noch bis Ende Dezember die großartige und sehr eindrucksvolle Ausstellung ‘Über Grenzen’, der Berliner Fotoagentur Ostkreuz:

Grenzen sind nicht nur territorial, sie verlaufen zwischen gesellschaftlichen Milieus, Privatheit und Öffentlichkeit, bestimmen über Teilhabe und Ausschluss. Das Ziehen von Grenzen kann als Beschränkung von Einfluss oder Freiheit wahrgenommen werden, ihre Einebnung als Verlust von Schutz und Sicherheit.

Neben Serien über staatliche Identität im Südsudan, indigenen Völkergruppen, die in Kanada um ihr Land kämpfen und palästinensische Homosexuelle, die im Feindesland Israel Exil suchen, ist auch eine Serie von Jordis Antonia Schlösser Teil der Ausstellung.
Mit Schlössers Dokumentation von chinesischen Sweatshops im italienischen Prato stellt sie fest, dass auch innerhalb der europäischen Union Lohnarbeit unter Bedingungen möglich ist, die sonst nur aus China selbst bekannt waren. Textilien mit dem Label ‘Made in Italy’ oder aus anderen EU-Ländern sind also kein Garant mehr für faire Arbeitsbedingungen:

In Prato haben sie schon immer Mode gemacht. Bereits im Mittelalter veredelte man hier Stoffe. Doch in den 1990er-Jahren wurde die Produktion zu teuer, um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen. Als die alten Betriebe schlossen oder ins Ausland verlegt wurden, übernahmendie Chinesen das Geschäft. Sie mieteten sich in die Fabriken ein und organisierten die Textilproduktion nach ihren Regeln. Heute wird in Prato »Pronto Moda« hergestellt, billige Mode, die aktuelle Trends imitiert. Etwa ein Viertel der Einwohner sind Chinesen, viele von ihnen kamen illegal ins Land. Sie arbeiten bis zu 18 Stunden am Tag und fertigen unter schlechtesten Arbeitsbedingungen Kleidung made in Italy.

Im Hatje Cantz Verlag ist der Katalog zur Ausstellung erschienen.

22. November 2012 Fair