Ein wartendes Schaf

Dies ist ein Foto von Tanya Habjouqa. Sie hat den zweiten Preis in der Kategorie Fotoserie ‘Daily Life’ des World Press Photo 2014 gewonnen. In der Serie geht es um die Bewohner*innen Palästinas und wie sie trotz erschwerter Lebensbedingungen versuchen ein normales Leben zu führen.
Dabei stach mir dieses Foto besonders ins Auge, weil es ungewollt die kulturell konstruierte Dichotomie Mensch/Tier aufbricht, da niemand ein Schaf auf dem Beifahrersitz vermutet. Vermutlich handelt es sich hier auch lediglich um eine improvisierte Transportmethode. Denn laut Fotografin ist der Fahrer während des Eid Opferfestes mit dem Schaf auf dem Weg nach Hause und wartet hier in Ramallah an einem Checkpoint. Das Schaf ist also vermutlich nicht mehr am Leben.
Wie es dort zusammen mit dem Fahrer wartet und ihm beim Rauchen zusieht, deutet das Foto jedoch an, dass es sich bei dem Schaf um weit mehr als bloße ‘Ware’ handelt, die üblicher Weise auf dem Weg in den Schlachthof auf Tiertransporter verladen wird. Wie viele sogenannte ‘Nutztiere’ fallen leider auch Schafe in diejenige Kategorie von Lebewesen, bei denen Menschen keine Skrupel haben sie für ihren Nutzen auszubeuten oder zu Töten. Dabei sind Schafe alles andere als ‘dumm’.
So bewies eine australische Studie, dass Schafe sich über 50 Gesichter ihrer Artgenossen über einen langen Zeitraum merken können. Menschliche Gesichter konnten sie ebenso wiedererkennen. Weiter fanden die Wissenschaftler heraus, dass Schafe sehr schnell lernen und ihr Verhalten daraufhin optimieren. Aber selbst wenn Schafe diese Fähigkeiten nicht hätten – wir haben kein Recht andere Lebewesen für unsere Bedürfnisse zu nutzen oder zu töten.
Bildlich gesprochen hat das Schaf also auf dem Beifahrersitz den Platz, den es in unserer Gesellschaft einnehmen sollte – den eines gleichberechtigten Individuums, dem wir gewisse Rechte zugestehen sollten.

Die komplette Serie findet sich auf der World Press Photo Seite. Momentan ist die Ausstellung in Dortmund und Berlin zu sehen.

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26. June 2014 Neues, Tierrechte